Nadlenspitz und Fählenschafberg (Alpstein, CH)

Vor Jahren schon hab ich auf hikr.org die irrwitzigen Bilder und Berichte des Nadlenspitz bewundert. Von der Schwierigkeit müsste es machbar sein, doch die Ausgesetztheit und Gefährlichkeit ließen mich bisher nie einen Versuch wagen. Da aber Fotos extrem täuschen können (oft wirken sie wilder als wie es ist), wollte ich nun doch einen Versuch wagen -- mit vollem Bewusstsein dass es mitunter nicht klappt. Und so ging es mit dem bewährten Kollegen für wilde Wanderungen zum Ausgangspunkt Pfannenstiel, wo man für's Parken mindestens 3 CHF bezahlt. Das Bezahlen basiert auf Vertrauen, das Feld wird einfach in ein Kästchen geworfen, keine Quittung, nix. :-)

1. Etappe: Pfannenstiel - Sämtisersee - Fählensee

Diese Etappe führt zuerst über einen Forstweg, dann einen Wanderweg. Besonders eindrucksvoll  ist es beim Fählensee. Kitsch à la Heidi gab es an dessen Ende bei der Fählenalp: Ein Pferd, Ziegen, herumtollende Kinder, keine Zäune, alles offen... Idylle pur! Und so abgelegen, dass der Traktor (und anderes) vermutlich eingeflogen wurde.

Bei den letzten 3 Bildern (Blümchen ausgenommen) sieht man übrigens schon den Nadlenspitz. Es ist der scharfe Zahn wo rechts eine markante Rinne runterführt.

2. Etappe: Mörderwegli (T4)

Kurz hinter dem See kommen wir zum Einstieg des Mörderweglis. Ab hier wird es interessant und es gibt nur mehr Wegspuren. Der Weg erlaubt wunderschöne Ausblicke . Im oberen Bereiche ist uns die Routenführung nicht ganz klar und vermutlich machen wir es uns unnötig schwer, weil wir den Fels wählen. Das Gras links davon wäre vermutlich einfacher. Irgendwann sind wir dann am Grat, direkt neben der wenig einladenden Wand des westlichen Freiheitsturms (zwischen P2109 und P2093 auf der Schweizer Karte).

Für die Botaniker gibt es Türkenbund und Feuerlilien. Oben angekommen bietet sich aus schöner Ausblick auf Altmann und Säntis.

3. Etappe: Nadlenspitz (T5)

Je nach Blickwinkel graust es uns, wenn wir unser Ziel ansehen. Doch es kann brutal täuschen, und so wollen wir uns die Sache zumindest aus der Nähe ansehen. Rucksäcke werden zurückgelassen. Der Vorgipfel wird rechtsseitig umgangen (relativ weit absteigen!). Dann wieder hoch auf den Grat. Dieser ist wider Erwarten recht breit und bequem. Dann etwas kraxeln und plötzlich ist man oben, ohne das jemals bewusst entschieden zu haben. Das berüchtigte Gipfelbuch weist kaum Einträge auf. Es graust uns etwas vor dem Abstieg, doch zum Glück ist dieser kaum schwerer als der Aufstieg.

Die Schwierigkeit an sich ist nicht hoch. Es ist einfach steil, und Gras, Erde und loser Fels bietet wenig Halt. Die Kunst ist es, die Hände und Füße so zu platzieren dass sich auch dann noch halten kann wenn vielleicht mal ein Fuß abrutscht. Wenn man das sorgfältig und gut macht, ist der Aufstieg in meinen Augen vertretbar. Erfahrung und Gespür solchem Gelände ist hier wichtig. Als geübtem Wanderer sollten ja Stellen wo "Stürzen verboten" ist bekannt sein, diese ist eben besonders heikel. Wenn man sich auf den Weg konzentriert, bekommt man von der Ausgesetztheit nicht viel mit. Senkrecht ist es ja nirgends. Ich würde mein Glück aber nicht herausfordern wollen und noch weitere Male auf diese Nadel steigen.

Je nach Ansicht wirkt das Gipfel sogar recht breit und machbar, z. B. beim dem Bild, wo ich auch die ungefähre Route eingezeichnet habe. Kaum zu glauben dass das Bild danach den selben Gipfel zeigt. Das Auge lässt sich da brutal täuschen. Wenn es links und rechts steil ist, und das räumliche Sehen wegen der Entfernung versagt, nimmt das Gehirn automatisch an dass es "vorne" ebenfalls sacksteil ist. Diese Annahme kann aber falsch sein. Eine meiner berglerischen Grundregeln ist deshalb: Immer zuerst aus der Nähe anschauen bevor man voller Panik umkehrt!

4. Etappe: Fählenschafberg (T4)

Diesen Gipfel nebenan nehmen wir grad noch mit. Er ist vergleichsweise einfach. Vom Nadlenspitz steigen wir mehr oder weniger direkt auf. Der Rückweg am Grasgrat ist recht nett! Ein paar Aufnahmen vom Nadlenspitz sind auch wieder dabei.

5. Etappe: Abstieg via Borsthalden (T4-5?) zur Meglisalp

Beim Abstieg sind einige hundert Höhenmeter in Steilgras zu bewältigem. Zuerst gibt es noch Wegspuren, die aber immer weniger werden. Der GPS-Track ist von Vorteil, denn es lässt sich nicht auf beliebiger Route absteigen! Es ist mühsam und braucht ständige Konzentration, aber im Falle eines Abrutschens ist ein beherzter Griff ins Gras hilfreich. Zwei Hände in saftigem Grün können eine Menge Gewicht halten, vor allem wenn nicht das volle Körpergewicht zieht, da es ja nicht senkrecht ist.

Schließlich kommen wir auf einen Wanderweg. Dort treffen wir auf eine Autorin, die uns ihr Buch empfiehlt, in dem genau unser Borsthalden-Abstieg vorkommt. Kurios! Bei der Meglisalp wird kurz eingekehrt. Die Getränke sind zur Selbst-Entnahme. Sie werden mit fließendem Wasser gekühlt, sehr originell!

6. Etappe: Abstieg nach Wasserauen via Seealpsee

Auf bequemen Wanderweg geht es nach tollen Tiefblicken auf den Seealpsee (zum berühmten blauen Boot hat sich ein blauer Kran gesellt) hinunter zu besagtem See. Dann auf der Wanderautobahn weiter bis nach Wasserauen. Beim Rückweg nach Dornbirn mache ich noch zwei kitschige Fotos vom Alpstein über saftigen Wiesen. Die Gegend ist wirklich eine Berg-Idylle wie sie im Buche steht.

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